Kater Zoe 4

In einer lauen Sommernacht, ihr wisst schon, so eine, wo man sich in den Windhauch kuscheln will, weil er so schön weich und warm ist. In so einer Nacht hat Frauchen die Balkontür aufgelassen, wie wir es den ganzen Sommer über schon gemacht haben. Ich bin nachts wach geworden und dachte, ich schau mal, was draußen so los ist.

Ich bin also auf den Balkon gelaufen und auf der Brüstung herumspaziert. Alles war so schön wie immer. Dann habe ich mich erschreckt, bin aufgesprungen und schief wieder aufgekommen. Ich bin die ganzen vier Stockwerke hinunter gestürzt. Ich fand es zwar gruselig zu fallen, habe mir aber nicht wirklich Sorgen gemacht. Es ist nämlich eigentlich besser für Katzen aus großer Höhe zu fallen. Dann können wir uns im Flug umdrehen und auf unseren Pfoten landen.

Dumm ist nur, wenn wie in meinem Fall unten ein Fahrradständer steht. Ich nähere mich also superschnell dem Boden und knalle mit dem Becken voll darauf.

Ich weiß nicht mehr genau was dann passiert ist. Irgendwie habe ich mich viele Stufen hochgeschleppt. Als ich unsere Wohnung nicht finden konnte, habe ich ganz laut nach Frauchen geweint. Es hat gar nicht lange gedauert und sie hat die Tür aufgemacht. Ich musste nur noch fünf Stufen bis zu ihr. Sie hat aber gleich gesehen, dass etwas gar nicht stimmt mit mir. Frauchen hat mich trotzdem nicht hochgehoben, weil sie nicht wusste, ob ich etwas mit dem Rücken habe. Frauchen war ganz bedrückt, mich so zu sehen.

Sie hat mir Leckerli in den Katzenkorb gelegt und mich gelockt bis ich reingegangen bin.

Was soll ich sagen, an dem Tag habe mich meinen Tierarzt zum zweiten Mal getroffen.

Er war einfach toll.Ganz lieb und vorsichtig. Ich glaube sogar, dass er mich auch mag. Jedenfalls hat er mich geröngt und festgestellt, dass ich mir die Hüfte gebrochen habe. Er hat mir Medizin gegen die Schmerzen verabreicht und gesagt, dass das am Besten von selbst heilt. Frauchen sollte mich wieder mit nach Hause nehmen und gut auf mich achten.

Frauchen war so erleichtert. Ich glaube sie hatte große Angst um mich.

Sie hat sich gleich frei genommen und sich ganz lieb um mich gekümmert, mich zum Essen getragen und zur Toilette. Natürlich hat sie sich auch viel mit mir unterhalten und mich gestreichelt. Das war gar nicht so schlecht. Nicht, dass ich es zur Nachahmung empfehlen würde, aber da es nun mal so war, habe ich die Aufmerksamkeit auch genossen. Nach drei Tagen konnte ich schon wieder alleine laufen und habe nur noch ein bisschen mehr geschlafen als sonst.

Aber nicht, dass ihr denkt das wäre jetzt schon alles gewesen, das ich mir während Frauchens Schwangerschaft geleistet habe.

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Author

diana.schloessin@schoenschrift-verlag.de

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