Kater Zoe 2

Nachdem mich Frauchen ein paar Tage beim herumtollen beobachtet hatte, suchte sie mir meinen Namen aus. Leider hat sie gedacht, dass ich eine Katze wäre und so bekam ich den schönen Mädchennamen Zoe. Das bedeutet Leben.

An diesen Namen hatte ich mich schon gewöhnt, als Frauchen nach einer Woche mit mir zum Tierarzt ging. So habe ich ihn einfach behalten.

Der Tierarzt war eigentlich ganz nett, nur hat er mich einfach hoch gehoben und mich herumgedreht, um zu gucken ob ich Kater oder Katze sei. Dann hat er mich gepikst und mit einer Sprühflasche angesprüht. Mir ging das entschieden zu weit. Aber Frauchen musste lachen, weil ich tropfnass sehr empört geschaut habe. Da konnte ich gar nicht mehr böse sein.

Vier Wochen später war ich sehr aufgeregt, weil mich Frauchen und Herrchen zum ersten Mal längere Zeit allein lassen wollten. Sie hat gesagt, dass sie zu einer Hochzeit gehen würden. Als Frauchen und Herrchen sich chic machten, habe ich es einfach nicht mehr ausgehalten und bin wie wild durch die ganze Wohnung gerast. Dabei habe ich Herrchen übersehen der gerade hinter einer Schranktür hervor kam und bin voll gegen ihn gerannt. Das hat vielleicht gerumst. Ich bin erst mal durch die Gegend getaumelt. Bestimmt zwanzig Sekunden lang. Mir war so schlecht. Frauchen hat mich hoch gehoben und Herrchen böse angeschaut. Aber eigentlich konnte er nichts dafür. Er hat mich einfach nicht kommen sehen. Nachdem sich die beiden überzeugt hatten, dass es mir gut ging, sind sie doch noch zu der Hochzeit gefahren. Aber ich glaube sie sind meinetwegen ein bisschen zu spät gekommen.

Einmal hat Frauchen sich aus unserer Wohnung ausgesperrt. Ich wusste nichts davon, aber als jemand an dem Schloss herum gekratzt hat, bin ich wach geworden und zur Tür gegangen. Das waren nicht Frauchen oder Herrchen. Ich habe das genau gerochen. Darum habe ich ganz wütend gefaucht.

Da hat dann ein Mann gefragt: „Was haben sie da drin, einen Tiger?“

Der hat sich ganz schön gewundert, als er die Tür endlich auf hatte. Ich glaube Frauchen staunt heute noch, dass aus so einem kleinen Kätzchen so ein lautes Fauchen kommen kann.

Als ich größer war, hat Frauchen mir dann gezeigt, wie ich Türen öffnen kann. Immer wenn ich mauzend vor einer geschlossenen Tür stand, hat sie mich hoch gehoben und mit meiner Pfote die Klinke herunter gedrückt. Das sollte sich noch als sehr nützlich erweisen.

Frauchen und Herrchen haben bald darauf ihr Abitur gemacht. Ich weiß nicht genau was das heißt, aber sie haben ihre Nase den ganzen Tag in Bücher gesteckt. Frauchen liegt immer auf dem Bauch, wenn sie liest und ich habe mich auf sie drauf gesetzt und geschlafen.

Ich wollte so gern in ihrer Nähe sein, dass ich mich sogar auf ihre Brust gelegt habe, wenn sie in der Badewanne war. Ich bin auf den Wannenrand gesprungen und habe mich auf ihr eingekringelt. Das habe ich immer gemacht, bis Frauchen mal weiter herunter gerutscht ist und mein Po nass wurde. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie mit mir stänkern wollte. Ich war dann sowieso bald zu groß dafür und wäre immer ins Wasser gekommen, deshalb habe ich das nicht mehr gemacht.

Dann haben die beiden einen großen Baum angeschleppt. Sie nannten es Weihnachtsbaum und haben Bälle daran gehangen und eine Lichterkette. Ich fand toll, dass man sich so gut darin verstecken konnte und die Bälle habe ich durch die Gegend geschossen. Ich denke heute, dass das so eigentlich nicht gedacht war. Wie ich darauf komme? Nun ja, die haben nicht viel ausgehalten, wenn sie auf dem Boden gelandet waren, sind sie immer in tausend Stücke zersprungen. Dann kamen Frauchen oder Herrchen angerannt, haben ganz fürchterlich geschimpft und das große Monster heraus geholt. Sie nannten es Staubsauger. Aber ich weiß sicher, dass es am liebsten Katzen frisst. Bis heute werde ich schlagartig wach und laufe so weit weg von diesem Monster wie möglich.

Author

diana.schloessin@schoenschrift-verlag.de

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *