Semnonenhain 5

5.

Als Emma wieder am Haus ankam, hörte sie Egmont aufgebracht sagen: „Aber das ist nicht Bertrun.“

Marada antwortete ihm ruhig: „Nein, das ist sie nicht, aber sie ist deine zweite Gelegenheit. Die bekommen nicht viele.“

Ich will Bertrun zurück haben, nicht dieses magere, farblose Geschöpf.“

Marada wurde energischer: „In ihrer Güte hat Nerthus selbst sie dir gesandt. Willst Du an ihrer Weisheit zweifeln?“

Marada wartete vergebens auf seine Antwort und fuhr dann sanfter fort: „Egmont, Bertrun ist vor drei Lenzen von uns gegangen. Nicht einmal Nerthus kann sie dir zurückbringen.“

Egmont schwieg.

Emma hat ein gutes Herz. Sie verdient deine Liebe und Achtung. Du kannst das nicht erkennen, weil du sie immerzu vergleichst.“

Egmont biss seine Zähne zusammen: „Sie ist keineswegs vollkommen.“

Das war Bertrun auch nicht.“

Egmont schnappte empört nach Luft . Doch bevor er etwas erwidern konnte, fuhr Marada beschwichtigend fort: „Egmont, es geht nicht darum Bertrun zu verleumden. Kein Mensch ist vollkommen.“

Egmont seufzte vielsagend.

Emma ist Nerthus Segen und ihre Gabe an dich. Wer bist du dich der Göttin zu widersetzen? Außerdem ist sie unser Gast, also behandle sie auch so!“

Da fauchte er Marada erbost an: „Hättest du klar gesehen, wäre sie jetzt nicht unser Gast!“

Du hättest sie also lieber dort draußen allein gelassen, als sie hier zu haben? Das kannst du nicht ernst meinen.“

Doch. Meinethalben kann sie dort draußen sterben.“

Ich taumelte geschockt zurück, drehte mich um und floh. Weg, bloß weg wollte ich von seiner Wut, seinem Hass. Ich rannte aus dem Dorf. Der Wind kühlte die Tränenspuren in meinem glühenden Gesicht. Ich sah nicht zurück. Einmal fiel ich und schürfte mir die Handflächen auf. Ich merkte es nicht eimmal richtig. Es brannte nur ein bisschen. In meiner Brust loderte so viel stärker die Verzweiflung darüber, dass mich auf der Erde niemand wollte, zu keiner Zeit. Ich sah nicht, wohin ich rannte. Ich folgte einfach dem Weg unter meinen Füßen. Bäume flogen an mir vorbei. Irgendwo heulte ein Wolf. Doch es war mir egal. Sollte er mich doch fressen, dann hat dieser Schmerz endlich ein Ende. Ich wollte nicht mehr leben. Ich wusste nicht wofür. Leben ohne andere Menschen war ohnehin sinnlos. Irgendwann fiel ich wieder. Diesmal blieb ich liegen wo ich war. Sollten die Wölfe doch kommen. Mir war es gleich. Meine Hände bluteten. Umso besser dachte ich. Dann können sie mich schneller finden. Wäre ich doch bloß die Elfe, die Gwendolin in mir gesehen hatte. Dann würde ich mich jetzt in Luft auflösen. Sie würden schon sehen, was sie davon hatten.

Aber ich löste mich nicht in Luft auf. Ich fror und ich tobte und dann weinte ich. Nur eins tat ich nicht, mich auflösen.

Stattdessen musste ich eingeschlafen sein. Etwas schnüffelte an mir herum. Aber es war mir gleich. Dann kläffte ein Hund direkt neben mir. Ich erschrak mich bis ins Mark. Wo kam hier ein Hund her? Der Hund kläffte wieder. Oder war ich wieder in meiner Zeit? Aber da würde ich jetzt nicht mehr leben. Meine Hände standen in Flammen. Doch bevor ich nachsehen konnte. Drehte mich jemand um. Ich sah in das erleichterte Gesicht von Bernhard.

Emma. Den Göttern sei Dank.“ Da betrachtete er mich genauer und zog besorgt seine Stirn kraus. Ich musste furchtbar aussehen. Total verheult und mit tiefen Augenringen. Wenigstens sah Egmont mich nicht so, dachte ich, nur um mich im nächsten Augenblick dafür zu schelten. Was interessiert dich Egmont, er hasst dich. Trotzdem wurde ich nervös als Bernhard nach ihm rief: „Egmont hier. Ich habe sie gefunden.“

Ich wusste das mir egal sein sollte, was ein Wildfremder von mir denkt. Zumal einer, der mich offenbar verabscheute. Aber so war ich einfach nicht gestrickt. Ich machte mir permanent Gedanken, was Menschen von mir hielten. Neben meinem Mitgefühl, war das mein größter Fehler. Manche würden vielleicht denken, dass Mitgefühl eine gute Eigenschaft war, die einen menschlich machte. Über diese Märchen war ich hinweggekommen. Menschen nutzen mitfühlende Leute nämlich andauernd aus. Zumindest war das bei mir so. Nur wenn ich jemanden brauchte, der mir zur Seite stand, war keiner von ihnen für mich da.

Ich spürte die Erschütterung unter mir und wie sie sich auf mich übertrug. Das konnte einfach nicht sein. Nicht auch noch Pferde, dachte ich entsetzt.

Kurz vor mir hielten sie an. Jemand sprang auf den Boden. Ich drehte meinen Kopf in die Richtung. Egmont sah nur einen Moment erschrocken und dann sehr wütend aus. Ich senkte nervös meinen Blick.

Kannst du aufstehen?“ Bernhard sah mir fragend ins Gesicht. Ich vermutete, dass ich das schaffen würde, daher nickte ich. Dann drehte ich mich auf die Knie, setzte erst einen Fuß auf, und schob mich hoch. Die ganze Zeit war ich sorgsam darauf bedacht meine Handinnenflächen nicht zu berühren.

Du bringst sie in meine Halle, sobald sie sich gesäubert hat.“ Ich sah auf um zu sehen, wen Bernhard so harsch anwies.

Es war Egmont, wer sonst. „Ja, Vater!“ presste er zwischen seinen Zähnen hervor.

Ich stöhnte auf, als seine Wut mich förmlich überspülte. Er musste mich so sehr hassen. Er wollte mich nicht. Da war er nicht der Erste. Aber er kannte mich doch gar nicht.

Bernhard stieg auf sein Pferd. Es hatte schönes dunkelbraunes Fell und wackelte freudig mit den Ohren. Aber es war deutlich kleiner als die Pferde, die ich bisher gesehen hatte. Doch bevor ich es mir näher anschauen konnte ritten Bernhard und die anderen Männer zum Dorf zurück. Ich sah ihnen sehnsüchtig nach. Sie waren meine einzige Garantie, dass Egmont sich höflich benehmen würde.

Nun denn, auf ein Neues.“

Ich sah ihn verständnislos an. „Du sollst auf das Pferd steigen.“ sagte er genervt. Ich schüttelte wie wild meinen Kopf. Ganz sicher würde ich nicht freiwillig auf ein Pferd steigen. Halb bewusstlos bekam man mich vielleicht da drauf, aber nicht wenn ich bei Sinnen war. Egmont rollte mit den Augen. Er dachte kurz darüber nach. Dann kam er mit großen Schritten auf mich zu.

Ich duckte mich und hielt meine Hände über den Kopf, um mich vor dem unvermeidlichen Schlag zu schützen.

Der Schlag blieb aus. Egmont berührte mich nicht einmal. Er war zwei Meter vor mir erstarrt. „Emma?“ fragte er leise.

Ich sah vorsichtig unter meinen Armen hindurch. Er hatte seinen Kopf schräg gelegt und sah mich verwirrt an.

Hast du Angst?“

Ich nickte wahrheitsgemäß.

Vor mir?“ er sah völlig entgeistert aus.

Ich presste meine Lippen unschlüssig zusammen. Was sollte ich ihm sagen? Wie konnte ich ihm erklären, dass ich Wunden hatte, die mit ihm nichts zu tun hatten, die aber noch so frisch waren, dass ich nicht souverän mit seiner Wut umgehen konnte. Und all das mit nicken oder Kopfschütteln. Ich schnaubte frustriert.

Emma, wurdest du schon mal geschlagen?“

Ich nickte leicht und sah beschämt weg.

Egmont ging langsam auf mich zu: „Ich schwöre, dass ich meine Hand niemals gegen dich erheben wollte. Ich wollte dich nur auf mein Pferd setzen.“

Ich sah zu seinem Schimmel und schüttelte wieder den Kopf. Kein Wort kam über meine Lippen. Denn es wäre deutsch gewesen. Ich konnte mir lebhaft ausmalen, was sie mit Menschen machten, die so fremd sprachen. Mir die Tür zu weisen, war noch das harmloseste, was mir in den Sinn kam.

Du hast Angst vor Donar?“ riet er.

Ich nickte.

Egmont schien völlig erstaunt zu sein, wie jemand Angst vor seinem Pferd haben konnte. „Na gut, dann laufen wir. Aber es ist ziemlich weit.“ warnte er mich.

Er Pfiff und ein großer Hund kam auf uns zu gerannt. Er sah aus wie eine Mischung aus Bernhardiner und einem Collie. Sein Fell war cremegelb nur seine Schnauze war von dunkelgrauem Fell umrahmt. Er kam zu uns und schnüffelte interessiert an meinen Händen. Der Hund ging mir bis zum Oberschenkel. Er schmiegte sich an mein Bein und drängelte dabei so sehr, dass er mich beinahe umwarf. Ich kraulte ihn mit den Fingerspitzen hinter den weichen Ohren.

Ich sollte ihn dressieren, dass er dich trägt. Vor ihm scheinst du zumindest keine Furcht zu empfinden.“ Egmont klang belustigt, doch er sah nachdenklich aus, als würde sich eine Idee in ihm formen, wie er mich überzeugen könnte Donar ebenfalls zu mögen.

Lass uns gehen.“

Als wir endlich wieder im Dorf ankamen, war es später Nachmittag. Ich war völlig erschöpft im Gegensatz zu Egmont. Er sah noch genauso wach aus wie am Morgen, als sie mich gefunden hatten.

Geh in mein Haus, ich bringe Donar in den Stall und bin gleich bei Dir.“ Ratlos sah ich mich im Dorf um. Es gab zwölf Langhäuser, sechs standen rechts und sechs links von Weg. Doch welches davon Egmonts war, wusste ich nicht. Ich versuchte mich daran zu erinnern, wie es aussah oder ob mir irgendetwas besonderes daran aufgefallen war. Ich drehte mich nach Egmont um, konnte ihn allerdings nicht mehr sehen. Die Menschen um mich herum begannen mich offen zu mustern. Als ich es nicht mehr aushielt lief ich auf das erstbeste Haus zu und klopfte an die Tür.

Herein, sagte eine tiefe Stimme.“ Langsam schob ich die Tür auf und fand mich einem Muskelmann gegenüber. Um ihn herum tollten drei Kinder. Zwei Babies schliefen in einer Wiege. Unter schwarzen Locken schauten mich kluge smaragdgrüne Augen fragend an. Dann erkannte er mich. „Haili Emma, seid ihr endlich angekommen?“

Ich nickte und antwortete „Haili …“. Doch da ich seinen Namen nicht kannte stockte ich verlegen mitten in der Begrüßung.

Mein Name ist Albin.“ half er mir aus.

Haili Albin.“

Ich überlegte gerade fieberhaft, wie ich Albin nach Egmonts Haus fragen könnte, als die Tür so schwungvoll aufgestoßen wurde, dass die Kinder mitten in ihrem Spiel erstarrten.

Bei allen Göttern, Emma, kannst Du nicht einmal tun, was man dir sagt?“ polterte Egmont.

Mich erschreckte er damit, aber Albin lachte nur: „Haili Egmont.“

Haili Albin.“ Egmont grinste ertappt und kratzte sich verlegen am Kopf. Ich hatte den Eindruck, dass mir etwas wichtiges entging. Ich sah erstaunt von einem zum anderen. Doch sie hatten nicht vor mich einzuweihen.

Nun komm, Emma.“ sagte Egmont wesentlich milder gestimmt. Ich mochte Albin.

Er zwinkerte mir verschwörerisch zu. Ich machte auf dem Absatz kehrt und lief eilig hinter Egmont her. Hätte ich gewusst, dass mir daraus einmal ein Strick gedreht werden würde, wäre ich wie angewurzelt dort stehen geblieben, wo Egmont mich zuerst hatte stehen lassen. Doch so lief ich unbeschwert Egmont zu seinem Haus hinterher.

Er hatte schon das Dreibein über das Feuer gehängt und erwärmte gerade Wasser, als ich in die Tür trat.

Leg deinen Mantel ab und setz dich!“ er zeigte auf mein Lager. Dann holte er einen flachen Tisch von der Wand und stellte ihn an das Fußende. Eine Schüssel stellte er darauf und nachdem er das Wasser geprüft hatte, goss er die Schüssel voll.

Leg dich auf den Bauch und hänge deine Hände hinein.“

Mir war absolut klar, was mir bevorstand. Aber es war schlimmer. Ich zischte als das warme Wasser den Schorf aufweichte. Es färbte sich graurot, als der Dreck und das eingetrocknete Blut sich lösten. Während er Holz nachlegte und nach den Tieren sah, beobachtete ich ihn. Er lief wie eine Katze, auf leisen Sohlen und doch war jeder Schritt so voll Kraft, dass ich mich völlig davon gefangen nehmen ließ. Nachdem er alles für den Abend vorbereitet hatte, kam er wieder zu mir.

Zeig mir deine Hände.“ verlangte er.

Ich hob sie aus dem Wasser und drehte meine Handflächen nach oben. Egmont trocknete sie mir mit einem hellgrauen Leinentuch vorsichtig ab.

Danach betrachtete er sie sorgfältig. „Es scheint aller Schmutz raus zu sein.“ er holte einen kleinen Tontopf mit einer weißen Paste vom Regal und verteilte etwas davon auf meinen Händen. Die Salbe roch nach Arnika und kühlte meine Haut angenehm. Dann wickelte er saubere Leinenstreifen um meine Handflächen.

Du kannst aufstehen.“

Danke.“ sagte ich leise. Ich hoffte, dass es das richtige Wort für seine Zeit war.

Gerne.“ er musterte mich. „Um dein Kleid ist es wahrhaftig schade.“

Ich sah an mir hinab. An den Knien zeichneten sich dunkle Flecken ab. Ich versuchte gar nicht erst etwas mit abklopfen zu verbessern, das würden mir meine Hände übel nehmen. Wir gingen so zu Bernhard, wie wir waren.

Bernhards Haus stand neben der großen Halle. Es war kleiner als diesem aber wesentlich geräumiger, als Egmonts Heim.

Bernhard, Almudis und Marada standen im Raum und sahen uns erwartungsvoll an.

Haili.“ grüßte Egmont sie.

Haili.“ sagte auch ich.

Haili.“ erwiderten die Anderen.

Bernhard wandte sich mir zu. „Du sprichst unsere Sprache nicht, aber du kannst uns verstehen. Ist das richtig?“

Ich nickte. Vielleicht, wenn ich mehr Informationen darüber hätte wo und vor allem in welcher Zeit ich mich befand, aber bisher konnte ich die Sprache nicht eindeutig zuordnen.

Bist du eine Römerin?“

Ich schüttelte entsetzt den Kopf. Himmel, wie kam er nur darauf?

Sprichst du Latein?“

Ich sagte: „Ein wenig.“ auf Altlatein und hoffte, dass ich in der richtigen Zeit gelandet war.

Bis du hier um uns auszuhorchen?“ fragte Bernhard. Aber er klang nicht so, als würde er das wirklich glauben.

Nein.“ automatisch schüttelte ich wieder meinen Kopf.

Wo kommst du her?“

Ich weiß es nicht.“

Bernhard sah mich ungläubig an. Doch Almudis flüsterte ihm etwas ins Ohr, was ihm plausibel erschien. Die Falten auf seiner Stirn glätteten sich.

Wie bist du zu uns gelangt?“

Wenn ich das genau wüsste. Ich dachte daran, was ich als letztes getan hatte, bevor ich hier aufgewacht war. Ich hatte den Grabstein berührt. Konnte das die Erklärung sein? Soweit ich wusste, waren Germanen sehr abergläubisch. Aber würden sie das glauben? Mir blieb nichts anderes übrig, als es mit der Wahrheit zu versuchen, wie ich sie sah. „Ich berührte einen Stein.“ Bernhard wandte sich mit fragendem Blick an Marada. Diese nickte nur bestätigend. Sie schienen sich vorher über etwas verständigt zu haben, was sie ihm jetzt bestätigte. Ob er sich damit zufrieden geben würde?

Bernhard entglitten die Gesichtszüge, er fasste sich aber so schnell wieder, dass ich dachte ich hätte mir das eingebildet.

Solange wir nicht sicher wissen, wer sie ist, wirst du sie bewachen.“ ordnete er an.

Egmont stöhnte unwillig.

Du hast sie hierher gebracht, nun zeige dich verantwortlich.“ ermahnte Bernhard ihn.

Gut, Vater.“ Egmont sah zornig zu mir, während er das sagte.

Lasst uns in die Halle gehen und speisen.“ forderte uns Almudis auf.

Als sie uns voraus zur Halle gingen, nutzte Egmont die Gelegenheit mir ins Ohr zu zischen: „Du musstest ja unbedingt davon laufen.“ Seine Stimme löste ein warnendes Prickeln auf meiner Kopfhaut aus. Dass er jetzt mein Babysitter war, würde ich sicher jeden kommenden Tag büßen. Ich machte zwei Schritte nach links um Raum zwischen uns zu bringen. Er funkelte mich böse an und überbrückte den Abstand zwischen uns mit einem Schritt. Dann umschloss seine Hand meinen rechten Ellenbogen. Die Stelle wurde plötzlich so heiß, dass ich dachte seine Hand steht in Flammen. Er dirigierte mich am Ellenbogen in die Halle. Gwendolin rief meinen Namen und winkte mir erfreut zu. Dann zog sie ihren kleinen Bruder am Ärmel und zeigte auf mich. Sein Gesicht leuchtete als er zu mir sah. Dann winkte auch er. Ich hob meine Hand und winkte den Beiden zurück. Wenigstens zwei die mich mochten, dachte ich. Da schob Egmont mich schon weiter und ließ mich erst an meinem Platz los.

An diesem Abend gab es Gerstenbrei und Käse. Ich war froh darüber. Ich hätte an diesem Abend kein Messer halten können. Die Sorge über Egmonts Wut, lag mir schwer im Magen, daher war ich nach wenigen Löffeln schon pappsatt. Ich nutzte die Zeit mich ein wenig umzusehen. Es ging laut und ausgelassen zu. Ich sah an meiner Tischreihe entlang. Links von mir saß Egmont, daneben Marada, Bernhard, und Almudis. Neben ihr saß ein Mann der Egmont zum verwechseln ähnlich sah und eine schwangere junge Frau. Sie hob den Blick, als ich sie musterte und lächelte mich warm an. Ich konnte mich nicht erinnern ihr vorgestellt worden zu sein. Ich fühlte mich augenblicklich wohler.

Rechts von mir saß Albin, neben im saß eine Frau, die Almudis ähnlich sah. Ich vermutete, dass sie ihre Tochter sein könnte. Neben ihr saßen die drei Kinder, die ich vom Nachmittag kannte.

Zwischendurch sah ich mehrfach zu Egmont, aber er ignorierte mich den Abend über.

Als nach und nach Frauen und Kinder die Halle verließen und ich Anstalten machte mich ebenfalls zu erheben, legte er seine Hand so plötzlich auf meinen Arm, dass ich mir sicher war, dass er mich nicht eine Sekunde aus den Augen gelassen hatte.

Er fragte mich trocken: „Was glaubst du, wo du jetzt hingehst?“

Ich sah auf die beiden Kinder und sagte nur: „Gwendolin und Landogar.“ Ich hoffte, dass er verstand, dass ich sie gern ins Bett bringen wollte.

Das macht Kunella, wie immer.“ beschied er mir unwirsch.

Es fühlte sich an, wie ein wohlplatzierter Schlag in meine Magengrube. Ich sah schnell zu Boden, dass er sich nicht noch an meiner Enttäuschung weiden konnte.

Doch das hämische Lachen kam vom anderen Ende der Tafel. Es war die junge Frau, die am Vorabend die Halle übereilt verlassen hatte, die sich so unverhohlen ihrem Triumph hingab.