Kater Zoe 5

Im Oktober ist Frauchen einige Tage nicht zu Hause gewesen. Herrchen hat mich derweil besucht und bei mir gewohnt. Er war weit weg gezogen, um zu studieren.

Nach fünf Tagen kam Frauchen wieder nach Hause. Ihr Bauch war viel flacher und sie hat einen kleinen Mensch mitgebracht. Als sie herein gekommen waren, durfte ich an ihm schnuppern. Er roch nicht aufregender als meine Geschwister und ich nach der Geburt, aber er war viel langweiliger. Die meiste Zeit hat er nur geschlafen oder gegessen. Das ging viele Monate so. Trotz all meiner Befürchtungen war Frauchen immer für mich da. Erst nach neun Monaten begann der kleine Mensch sich alleine zu bewegen und nach seinem ersten Geburtstag konnte er erst laufen. Der kleine Mensch, der ja irgendwie auch mein kleiner Bruder war, hat nur einmal versucht mir am Schwanz zu ziehen. Ich habe daraufhin nach ihm getazt und gefaucht und damit war das geklärt. Er konnte mich zwar noch nicht so vorsichtig streicheln wie Frauchen und Herrchen doch er hat es immer lieb gemeint. Darum hatte ich viel Geduld mit ihm. Bald darauf habe ich noch einen kleinen Bruder bekommen. Mit ihm war es viel aufregender. Er konnte mit neun Monaten schon laufen und war ganz fasziniert von mir. In der Zeit habe ich gelernt in einem Satz oben auf den Küchenschränken zu landen. Neben dem riechen und jagen können wir Katzen nämlich auch supergut springen. Das liegt daran, dass unsere Muskeln an den Hinterbeinen und im hinteren Rücken so stark sind. Jedenfalls konnte ich so auf dem Stand 2,20m hoch springen und oben in Ruhe dösen, wenn es mir unten zu viel wurde.

Wenn ich mal nicht schnell genung in die Küche kam, bin ich immer innen in den Türrahmen hochgeklettert. Da sind die beiden Racker nicht drangekommen. Gut, dass Frauchen meist zu Stelle war, um sie abzulenken, sonst hätte ich da ganz schön lange hängen müssen.

Eine Sache gibt es, auf die ich nicht so stolz bin. Es war mehr eine Jugendsünde und ich war sehr übermütig. Nein, nicht das Sofa zerkratzen trotzdem der Kratzbaum direkt daneben hin. Das habe ich zwar auch getan, aber naja, ich bin halt ein Kater, dafür schäme ich mich nicht. Schließlich musste ich ja meine Krallen schärfen. Nein, ich habe furchtbar viel Spaß dabei gehabt Füße zu jagen und anzufallen. Egal was Herrchen und Frauchen probiert haben, das konnte ich mir einfach nicht abgewöhnen. Erst als ich sehr alt wurde, habe ich das gelassen.

Als mein ältester Bruder drei Jahre alt geworden ist, hat uns ein Freund von ihm besucht. Es gab eine leckere Ernie-und-Bert-Torte. Ich glaube zumindest, dass sie lecker war. Sie haben mir nichts davon abgegeben. Sie sagten, das wäre nicht gut für mich. Wer‘s glaubt. Sie wollten die Torte bestimmt alleine essen. Jedenfalls hat der Junge auf der Gitarre ein Geburtstagslied gespielt und seine Mama meinte, dass er auch schon Englisch lernt. Mein Frauchen hat den kleinen Jungen mitfühlend angesehen. Ich glaube sie machte sich Sorgen, dass er gar kein richtiges Kind sein dürfte.

Als die Mama gegangen war, habe ich mich aus meinem Versteck getraut. Ich wollte gerade auf den Balkon als der Junge erstaunt ausrief: „Die Katze hat ja nur ein Auge.“ Ich finde solches Verhalten sehr empörend. Aber als mein ältester Bruder nur erwiderte: „Ja, wieso?“ war ich sehr beruhigt. Er fand mich völlig normal so wie ich war und das fand ich gut.

Da der Junge auch erst drei war, habe ich ihm das nachgesehen und ihn einfach nicht weiter beachtet. Er hat ja noch viel Zeit zu lernen, wie man sich benimmt.

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